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Warum Delphi?

Um Zukunft gestalten zu können, brauchen Entscheidungsträger Zielvorstellungen und Orientierung hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen. Als Methode der strategischen Vorausschau ermöglicht es Delphi, alternative Entwicklungsmöglichkeiten in komplexen Zusammenhängen vorauszudenken und zu analysieren. Die Delphi Methode wird angewandt, um systematisch einen langfristigen Blick über 20 bis 40 Jahre in die Zukunft zu werfen, indem weltweit eine Vielzahl von Experteneinschätzungen und Meinungen gesammelt, verknüpft und bewertet werden.

Die Energiesysteme befinden sich global in einem massiven Umbruch. Gesamtgesellschaftliche Transformationsprozesse bahnen sich an oder haben bereits begonnen. Sektor-spezifische Betrachtungen und Trendfortschreibungen greifen zur Untersuchung der Zukunft der Energiesysteme und ihrer rasanten Veränderungen zu kurz. Insbesondere die Vielzahl von Wechselwirkungen zwischen politischen Rahmenbedingungen, wirtschaftlicher Innovationskraft, geopolitischen Umwälzungen oder sich verändernden Konsummustern prädestiniert die Anwendung der Delphi Methode.  

Mit Delphi Energy Future wollen wir zentrale Treiber, Akteure und Dynamiken identifizieren, die die Zukunft der Energiesysteme maßgeblich beeinflussen werden. So sollen mögliche Zukunftsszenarien entwickelt und ein sektor-übergreifender Kommunikationsprozess angestoßen werden, bei dem Fachleute weltweit alternative Entwicklungen und langfristige Handlungsstrategien im Energiebereich diskutieren.

Was genau ist Delphi?

Ein Delphi ist eine mehrstufige systematische Expertenbefragung mit Rückkoppelung. Ein feststehendes Panel von Fachleuten und Entscheidern bewertet schriftlich in zwei oder mehreren Runden einen Thesen- oder Fragenkatalog zu potentiellen zukünftigen Entwicklungen. Bei jeder These ist die Wahrscheinlichkeit des Eintretens, der relevante Zeitraum sowie der eigene Expertenstatus zu bewerten. Nach jeder Bewertungsrunde werden die Ergebnisse der vorherigen Runde als Feedback gegeben. In der anschließenden Runde werden die Experten aufgefordert, Thesen erneut zu bewerten und die eigene ggf. von der Mehrheit abweichende Bewertungen zu bestätigen (mit Begründung) oder zu revidieren. So beurteilen die Experten dieselben Thesen unter dem Einfluss der Meinungen ihrer Fachkollegen. Die Ergebnisse der Bewertungen werden zu alternativen Szenarien verknüpft. Aufgrund seiner besonderen Fragestruktur liefert ein Delphi differenziertere und gleichzeitig eindeutigere Antworten als herkömmliche Interview-Forschungsverfahren.

Ablauf von Delphi Energy Future

Delphi Energy Future gliedert sich in folgende Prozessschritte:

Experteninterviews und Thesenerstellung:
In einem ersten Schritt werden ca. 80 ausgesuchte Experten aus dem In- und Ausland in strukturierten Interviews zu den zentralen Einflussfaktoren auf zukünftige Energiesysteme befragt. Die Experten, schwerpunktmäßig aus dem Energiebereich aber auch aus angrenzenden Bereichen, vertreten den privaten und öffentlichem Sektor, Wissenschaft und Zivilgesellschaft und haben sich als interdisziplinäre Denker bewiesen. Sie stammen aus Deutschland, Europa, außereuropäischen Industrieländern sowie Schwellen- und Entwicklungsländern. In persönlichen Interviews und Gruppendiskussionen werden zugespitzte, mutige Thesen als „Food for Thought“ generiert.

1. Befragungsrunde:
Der resultierende Thesenkatalog wird dem internationalen Panel aus ca. 500 Fachleuten aus Deutschland, Europa sowie weiteren Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern zur Bewertung und Kommentierung vorgelegt. Auch internationale Organisationen wie bspw. die Vereinten Nationen, die International Renewable Energy Agency (IRENA) oder die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) werden vertreten sein. Das Panel ist ebenfalls sektorübergreifend zusammen gestellt mit einem Schwerpunkt im Energiebereich. Die Experten bewerten die Wahrscheinlichkeit und den Zeitpunkt des Eintretens der Thesen und ihren eigenen Expertenstatus für die jeweiligen Fachthemen.

2. Befragungsrunde:
Anschließend beurteilt das Expertenpanel den Thesenkatalog erneut. Sie erhalten Feedback, wie die einzelnen Thesen von der Gesamtheit des „Expertenpanels“ in der ersten Runde bewertet wurden, welche schriftlichen Kommentare es gab und können ihre eigene Bewertung reflektieren und überdenken. Abweichende Meinungen können begründet oder revidiert werden. Es kommt zu einer Zuspitzung und Fokussierung der Ergebnisse.

Szenarien-Entwicklung:
Die Ergebnisse der Thesenbewertung werden ausgewertet, verknüpft und zu möglichen Szenarien und Entwicklungspfaden kombiniert. Die verschiedenen Varianten der Energiezukunft beruhen auf unterschiedlichen Prämissen und verdeutlichen das mögliche Zusammenspiel entscheidender Faktoren. Die Szenarien stellen keine Prognosen oder normativen Handlungsanleitungen dar. Sie sensibilisieren für Herausforderungen, regen zum Nachdenken über zukünftige Chancen an und schaffen eine Grundlage für die Entwicklung positiver Zukunftsmodelle.

Die Ergebnispräsentation von Delphi Energy Future ist für den Winter 2015 vorgesehen.

Juli – September 14
Themenauswahl, Auswertung von Referenzstudien, Auswahl von Experten

Oktober – Dezember 14
Interviews mit nat./int. Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zur Entwicklung innovativer Thesen

Dezember 14 – Februar 15
Expertenworkshops zur Thesengenerierung

ab April 15
Mehrfache Bewertung der Thesen durch Panel an nat./int. Experten (1. & 2. Befragungsrunde)

Oktober 15
Auswertung und Diskussion der Ergebnisse mit Experten

November 15 – Mai 16
Szenarienentwicklung und Zusammenfassung, Veröffentlichung

Themensphären

Um die Fragestellung „Wie gestaltet sich die Energiezukunft in Deutschland, in Europa und in der Welt im Jahr 2040 und darüber hinaus?“ umfassend beleuchten und die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen betroffenen gesellschaftlichen Bereichen herausarbeiten zu können, haben die Kooperationspartner fünf essentielle Themensphären ausgewählt. Zu diesen einzelnen Themensphären werden die Experteninterviews geführt und Thesen erstellt. Die ausgewählten Experten gelten zwar, in einer der jeweiligen Themensphären als Experten ihres Fachs, sie können aber auch über ihre fachliche Grenzen hinaus denken. Die Themensphären sind:

  • Energiewirtschaft und -politik: Unterthemen umfassen bspw. zukünftige Markt- und Geschäftsmodelle, öffentliche Förderung und Regulierung oder Trends der Re-Kommunalisierung und Regionalisierung von Wirtschaftskreisläufen.
  • Internationale Geopolitik: Unterthemen umfassen bspw. die langfristigen Auswirkungen regionaler Krisen, sich verändernde globale Rohstoffströme und damit verbundene Abhängigkeiten, Unsicherheiten und Allianzen.
  • Technologie und Infrastruktur: Unterthemen umfassen bspw. Innovationen und Revolutionen der Erzeugungs- und Speichertechnologien, die Bedeutung der Verschmelzung von Energie-  und Kommunikationssektor oder die Zukunft der Mobilität von Waren und Personen.
  • Klimawandel und Umweltschutz: Unterthemen umfassen bspw. die Zukunft von Emissionshandelssystemen, die Bedeutung des Klimawandels als Treiber für Energiepolitik oder die Auswirkung des Zusammenhangs zwischen Wasser- und Energiesektor.
  • Kultur und Gesellschaft: Unterthemen umfassen bspw. zukünftige Siedlungsmuster, die Auswirkungen unterschiedlicher demographischer Entwicklungen oder neue an Nachhaltigkeit und Suffizienz ausgerichtete Konsummuster.

Interviewpartner

Wir haben 80 Experten interviewt aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – aus Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern – und mit ihnen über die Energiesysteme der Zukunft  und ihre Erwartungen und Visionen gesprochen.

Alberto Acosta, Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales (FLACSO) Ecuador
Dr. Philipp Andrews-Speed, National University of Singapore, Energy Studies Institute
Dr. Jorge Asturias, Latin American Energy Organisation (OLADE)
Dr. Hubertus Bardt, Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Dr. Morgan Bazilian, The World Bank Group
Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge, Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln (EWI)
Dr. David Bresch, Swiss Re
Thomas Breuer, Greenpeace Germany
Dr. Michael Brower, American Council On Renewable Energy (ACORE)
Pablo Carvajal, Ministerio Coordinador de Sectores Estrategicos, Ecuador
Prof. Dr. Paul Collier, University of Oxford, Centre for the Study of African Economies
Stein Dale, E.ON SE
Tomáš​ David, EP ENERGY, a.s., Czech Republic
Lisa Davis, Siemens AG
Evelyn Dietsche, Dietsche Policy Analysis Limited, UK
Dr. Frank-Detlef Drake, RWE AG
Risa Edelmann, American Council On Renewable Energy (ACORE)
Dr. Christoph Frei, World Energy Council
Dr. Lewis Fulton, University of California, Institute of Transportation Studies
Thomas Fureder, Barclays Capital
Sascha Gabizon, Women in Europe for a Common Future (WECF)
Fabio Garcia, Latin American Energy Organisation (OLADE)
Roland Grebe, SMA AG
Klaus Grewe, Jacobs Engineering
Dr. Alieto Aldo Guadagni, Instituto Di Tella, Argentina
Prof. Dr. Peter Guthrie, University of Cambrigde, Department of Engineering Centre for Sustainable Development
Manfred Haberzettel, EnBW AG
Lex Hartman, Tennet Holding B.V.
Prof. Dr. Peter Hennicke, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Dr. Jörg Hermsmeier, EWE AG
Cornie Huizenga, Partnership on Sustainable Low Carbon Transport (SloCaT)
Dr. Elham Mahmoud Ahmed Ibrahim, African Union Commission
Nikolaus Knebel, German University of Technology, Faculty of Architecture and Urban Planning (GUtech)
Dr. Bernd Kordes, Lahmeyer International GmbH
Dr. Gregor Kumm, ABB
Rachel Kyte, World Bank Group
Alex Laskey, OPower Inc.
Prof. Dr. Uwe Leprich, Institut für Zukunftsenergiesysteme GmbH
Christine Lins, Renewable Energy Policy Network for the 21st Century (REN 21)
Dr. Thorsten Marquardt, E.ON SE
Dr. Ajay Mathur, Government of India, Ministry of Power
Dr. Ritu Mathur, The Energy and Resources Institute (TERI) India
Dr. Felix Christian Matthes, Öko-Institut e.V.
Dr. Urs Meister, Avenir Suisse
Julio Menendez, Cámara Argentina de Energías Renovables (CADER)
Prof. Dr. Christoph Menke, Hochschule Trier
Prof. Dr. Dirk Messner, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)
Prof. Dr. Eckard Minx, Daimler und Benz Stiftung
Dr. Tatiana Mitrova, Russian Academy of Sciences, Energy Research Institute
Prof. Dr. Wolfram Münch, EnBW AG
Prof. Dr. Nebojsa Nakicenovic, International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA)
Reema Nanavati, Self Employed Women's Association (SEWA) India
Eduardo Noboa, Instituto Nacional de Eficiencia Energética y Energías Renovables (INER)
Sheila Oparaocha, ENERGIA – The International Network on Gender & Energy
Dr. Kirit Parikh, Integrated Research and Action for Development, India
Alex Perera, World Resources Institute (WRI)
Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW)
Jairam Ramesh, Member of Parliament, India
Dr. Marina Yesica Recalde, Fundacion Bariloche, Argentina
Lennys Rivera, Latin American Energy Organisation (OLADE)
Alex Rugamba, African Development Bank Group, Energy, Environment and Climate Change Department
Yanina Rullo, Senado de la Nación Argentina
Jamal Saghir, The World Bank Group
Dr. Roberto Schaeffer, Federal University of Rio de Janeiro
Hans-Lothar Schäfer, Techem GmbH
Dr. Michael Schlesinger, Prognos AG
Michael Schmidt, BP Europe SE
Max Schwitalla, Studio Schwitalla
Dr. Fereidoon P. Sioshansi, Menlo Energy Economics
Prof. Albert Speer, AS&P – Albert Speer & Partner GmbH
Dr. Erico Spinadel, Asociación Argentina de Energía Eólica
Prof. Dr. Klaus Töpfer, Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.
Clemens Triebel, Younicos AG
Prof. Arturo Villavicencio, Universidad Andina Simón Bolívar, Ecuador
Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, The Club of Rome
Prof. Dr. Eicke Weber, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE)
Prof. Dr. Michael Weinhold, Siemens AG
Dr. Kirsten Westphal, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
Dr. Marie-Luise Wolff-Hertwig, HSE AG
Jörg Wuttke, BASF (China) Co. Ltd. Beijing
Dr. Hu Zhaoguang, State Grid Energy Research Institut, China
Prof. Wang Zhongying, China National Energy Research Institute, National Development and Reform Commission

Weitere Informationen zur Delphi Methode

  • Häder, Michael (2014): Delphi-Befragungen, 3. Auflage. Springer Verlag, Wiesbaden.
  • Cuhls, Kerstin (2009): Delphi-Befragungen in der Zukunftsforschung. In: Popp, R.; Schüll, E. (Hg.): Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis, Springer, Berlin, Heidelberg.
  • Cuhls, Kerstin (2004): Delphi surveys. In: Foresight Methodologies, Seminar Workbook UNIDO, Wien.

Projektpartner

Delphi Energy Future wird von den drei Kooperationspartnern Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW), Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und PricewaterhouseCoopers AG (PwC) durchgeführt. Alle Projektphasen, Befragungs- und Forschungsergebnisse, Szenarien und Projektionen werden auf dieser Webseite veröffentlicht.


Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vertritt über 1.800 Unternehmen. Das Spektrum der Mitglieder reicht von lokalen und kommunalen über regionale bis hin zu überregionalen Unternehmen. Sie repräsentieren rund 90 Prozent des Stromabsatzes, gut 60 Prozent des Nah- und Fernwärmeabsatzes, 90 Prozent des Erdgasabsatzes sowie 80 Prozent der Trinkwasser-Förderung und rund ein Drittel der Abwasser-Entsorgung in Deutschland.

Offizielle Website


Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

Als deutsches Bundesunternehmen bietet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ihren Auftraggebern funktionsfähige, nachhaltige und wirksame Lösungen für politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungsprozesse. Das Unternehmen führt einen großen Teil seiner Aufträge für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durch, ist aber auch für weitere Bundesressorts sowie für öffentliche und private Auftraggeber im In- und Ausland tätig. Dazu gehören beispielsweise Regierungen anderer Länder, die Europäische Union oder die Vereinten Nationen. Die GIZ ist in mehr als 130 Ländern weltweit aktiv. Der Energiebereich – insbesondere die Förderung Erneuerbarer Energien, Energieeffizienz sowie energiepolitischer Strategieprozesse – stellt einen zentralen Schwerpunkt der Arbeit der GIZ dar.

Offizielle Website


PriceWaterhouseCoopers (PwC)

PwC bietet branchenspezifische Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung. Dort schaffen wir für unsere Mandanten den Mehrwert, den sie erwarten. Mehr als 184.000 Mitarbeiter in 157 Ländern entwickeln in unserem internationalen Netzwerk mit ihren Ideen, ihrer Erfahrung und ihrer Expertise neue Perspektiven und praxisnahe Lösungen. In Deutschland erzielt die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an 28 Standorten mit 9.300 Mitarbeitern eine Gesamtleistung von rund 1,55 Milliarden Euro.

Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.

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